Zu Gast bei Familie Behmann

Waren Sie schon einmal in St. Gerold? Saftige grüne Wiesen überziehen die hier vor einer stattlichen Bergkulisse sanft ansteigenden Hänge. Nur wenige Häuser säumen die schmale Straße, die zum Hof der Behmanns führt und die schlicht den Namen des Ortes trägt. Ein wundervoller Ort, um mitten in der Natur aufzuwachsen. Und das nicht nur für die beiden Töchter der Familie, Sophia und Enya. Auch die Tiere hier am Hof haben es gut getroffen. Die Rede ist von Sutterlüty’s Berglämmern, Sutterlüty’s Bio-Hennele und Sutterlüty’s Bio-Weidegänsen.

Als unser Auto langsam die Einfahrt hinaufrollt, kommt uns zur Begrüßung prompt ein Huhn entgegen. Und auch die Gänse auf der großen Wiese gleich nebenan recken neugierig ihre schneeweißen Hälse, um zu sehen, wer da kommt. Jakob Behmann hat uns ebenfalls schon gesehen und führt uns gleich auf die gemütliche Terrasse. Hier erfahren wir dann, wie es die Behmanns anstellen, drei so unterschiedliche Tierrassen und ihren Beruf als Lehrer an der Landwirtschaftsschule unter einen Hut zu bringe

Hühner statt Ferien am Bauernhof

Angefangen haben Martina und Jakob nach ihrem Studium an der Universität für Bodenkultur in Wien mit der Zucht von Berglämmern. Schon Jakobs Eltern hatten Schafe auf ihrem Hof, der nur wenige 100 Meter von seinem eigenen entfernt steht. Die Hühner hat Jakobs Schwager auf den Hof gebracht. Anfangs waren drei Bielefelder und Mathilda, eine Schwarze Grünlegerin, auf dem Hof. „Damals dachten wir uns: Wenn wir vier haben, können wir auch zehn haben“, erinnert sich Martina. So kam eins zum anderen. Heute leben 600 Hühner auf dem Bio-Hof. „Allerdings nur im Sommer. Sonst wäre das neben den Schafen und dem Unterrichten gar nicht machbar“, lüftet Jakob den dichtgedrängten Zeitplan, den er und seine Frau sich teilen. Und auch die Kinder helfen fleißig mit, besonders in den Ferien.

So ein Hühnerleben fängt bei Familie Behmann schon gut an. Die Küken ziehen in ein Gewächshaus, das Jakob Behmann zur „Kükenstation“ umfunktioniert hat. Unter der Wärmelampe herrschen konstante Temperaturen um die 30° C. Mit ca. drei Wochen sind die Küken schon um einiges gewachsen, haben die ersten Federn und sind bereit, in den benachbarten Hühnerstall mit direktem Zugang ins Freie umzuziehen. Vier Quadratmeter Platz hat jedes Huhn insgesamt, zum Scharren, Picken oder für ein gemütliches Sandbad. „Die Tür wird erst zugemacht, wenn’s dunkel wird. Aber bis dahin sind die Hühner schon längst selbst wieder zurück im Stall.“ Nach zehn Wochen ungefähr haben die Hühner ihr Zielgewicht erreicht. Das ist gut doppelt so lange, wie konventionelle Masthühner Zeit zum Wachsen haben.

Einmal ganz was neues ausprobieren

Auf die Gans gekommen sind die Behmanns erstmals in diesem Jahr – durch einen Anruf von Christoph Egger von Sutterlüty. Und weil Jakob gerne Neues ausprobiert, hat er einen Versuch mit den Gänsen gewagt. „Am Anfang war es eher mühsam“, erinnert er sich und Martina nickt zustimmend. „Gänseküken sind sehr empfindlich und brauchen viel Wärme. Der Frühsommer war sehr kühl, da haben ein paar von den Tieren bei uns im Wohnzimmer auf der Wärmflasche übernachtet.“ Wenn die Jungvögel allerdings aus dem Gröbsten raus sind, erfahren wir weiter, sind sie sehr robust, anspruchslos und verbringen ihre Zeit am liebsten draußen im Freien. Übrigens: Auch die Gänse haben bei Familie Behmann gut einen Monat länger Zeit zum Wachsen und Gedeihen als in der konventionellen Zucht.

„Wir füttern zwar noch ein bisschen Kraftfutter zu, aber hauptsächlich ernähren sich die Weidegänse selbst mit frischem Gras.“ Darum wird auch, sobald eine Weidefläche abgegrast ist, der Hag umgesteckt. Wie so ein Kraftfutter zusammengesetzt ist, wollen wir noch wissen. „Das ist die gleiche Mischung, die auch die Hühner fressen. Hauptsächlich Getreide, Mais, Sonnenblumenkerne und Erbsen“, erklärt Martina – „Aber ohne Soja“, ergänzt Jakob, das sei ihm in Hinblick auf das Gentechnikrisiko besonders wichtig.

Mittlerweile hat die ganze Familie Gefallen an den weißen Wasservögeln gefunden. „Gänse lieben den Regen. Ich könnte ihnen stundenlang zusehen, wie sie dann dastehen, den Kopf in den Himmel gereckt und die Flügel genüsslich ausgebreitet“, kommt Martina ins Schwärmen – „Und lustig sind sie!“, ergänzt Enya von der Hängematte aus. Warum denn, wollen wir wissen. „Na, sie laufen im Gänsemarsch!“

GÄNSE SIND WUNDERSCHÖNE TIERE. ICH KÖNNTE IHNEN STUNDENLANG ZUSEHEN.

Schafe auf der Sommerfrische

So viel also zu den gefiederten Hofbewohnern. Aber wo sind denn die Schafe? „Ein Teil der Herde ist auf der Alpe. Die anderen verbringen den Sommer auf einer Weide in der Nachbarschaft.“ Uns würde natürlich brennend interessieren, wie viele Lämmer da dabei sind. „Schöfle zähla tua i ned“, lacht Jakob, „aber so um die 100 werden es schon sein.“ 60 Muttertiere sind es jedenfalls, und ein paar Böcke – klar, irgendwo müssen die Lämmer ja herkommen. Nach einigen Jahren des Ausprobierens haben vor allem zwei Rassen die Behmanns überzeugt. Das dunkle Jura-Schaf, ein hervorragendes Muttertier, und das weiße Charolais-Schaf. Diese Rasse hat deutlich mehr Muskeln und lammt sehr leicht. In der Kreuzung ergänzen sich die Vorzüge beider Rassen und sorgen dafür, dass die Mutterschaf-Haltung nahezu reibungslos möglich ist. Dazu leistet auch eine Woche „Mutterschaftsurlaub“ einen wesentlichen Beitrag. Diese Zeit gönnt Jakob seinen Muttertieren mit ihren Lämmern ganz alleine in einer separaten Ablamm-Box. Erst wenn sich alle aneinander gewöhnt haben, kommt das Muttertier samt Nachwuchs wieder zu den anderen. Und hier bleiben die Lämmer dann auch, bis sie mit drei bis sechs Monaten ihr Zielgewicht von etwa 45 bis 50 Kilogramm erreicht haben.

Respekt vor den Tieren

Dass das sorgenfreie Leben am Behmann-Hof auch für jedes Tier ein gutes Ende nimmt, dafür sorgt Jakob Behmann persönlich. Ganz gleich, ob Gans, ob Huhn oder Lamm. „Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen verrückt. Aber wir haben da unser eigenes kleines Ritual, mit dem wir uns von den Tieren verabschieden, bevor ich sie zum Schlachter bringe. Mir geht es darum, den Respekt vor den Tieren zu wahren. Und zwar bis zum Schluss.“ Für uns klingt das kein bisschen verrückt. Im Gegenteil. Und als schließlich auch wir uns verabschieden, tun wir das mit einem guten Gefühl – und nicht ohne Stolz. Denn dank Partnerbetrieben wie der Familie Behmann haben Sutterlüty Kundinnen und Kunden das ganze Jahr über die Möglichkeit, sich beim Fleischeinkauf für eine verantwortungsvolle Alternative zu entscheiden.

 

Martina und Jakob Behmann

St. Gerold 12
6722 St. Gerold
Tel. 0043 (0) 664 3934361