KLEINE WEGE
GROSSE ENTDECKUNGEN
Zwischen Gsohlbach und Schwefelberg verstecken sich Schleichwege, brüchige Felsen und überraschend viele Plätze zum Spielen. Ob die Runde wirklich hält, was sie verspricht, wollen Michi und Bettina mit ihren Jungs herausfinden.
AUF TREPPLEIN HINAUF
Die Runde beginnt auf dem breiten Forstweg beim Parkplatz Ledi in Hohenems. Anfangs begegnen der Familie noch viele Biker*innen, die hier schnell Richtung Gsohl abziehen. Doch schon nach der ersten Haarnadelkurve biegt die Route links ab. Neben dem Gsohlbach führen abenteuerliche Holztreppen und versteckte Pfade durch den Wald hinauf zum Kleeplätzle. Nach viel Regen ist das Gebiet matschig – doch heute merkt man davon nichts. Feucht wird es erst ein wenig später: Bei der Gsohlbachquerung werfen die Jungs Steine ins Wasser und schauen, bei wem’s am meisten platscht. Bevor Schuhe und Hosen nass werden, geht es über den schmalen Steig – mal wurzelig, mal moosigweich – bis zum Kleeplätzle, wo natürlich erst einmal gerastet werden muss.
WIE EINE LASAGNE …
… besteht der brüchige Stein am Wegesrand aus vielen dünnen Lagen. Das ist Tonmergel, ein sogenanntes Sediment- oder Ablagerungsgestein. Es entstand über Millionen von Jahren, als die ganze Region noch von einem Meer bedeckt war. Auf diesen Meeresboden sanken sogenannte Sedimente, also Schlamm, feiner Sand und Kalkreste von toten Tieren. Jedes Jahr kam eine neue Schicht dazu, sodass sich ganz langsam viele Lagen stapelten – eben wie bei einer Lasagne. Mit der Zeit wurden die unteren Lagen durch das Gewicht der darüberliegenden Schichten immer stärker zusammengedrückt und verfestigt; Fachleute nennen diesen Vorgang Zementation. Weil das Gestein später nicht tief in der Erde stark erhitzt und zusammengepresst wurde, blieben die feinen Schichten bis heute erhalten. Deshalb lässt sich Tonmergel relativ leicht auseinanderbrechen.
SPIELE UND STEINE
Lange bleibt die Familie aber nicht sitzen. In Windeseile improvisiert Michi hier ein Geschicklichkeitsspiel: Mit einem Stock zeichnet er Kreise, Dreiecke und Quadrate in den Kiesboden – und schon wird gehüpft, balanciert und rückwärts gesprungen. Direkt gegenüber vom Kleeplätzle taucht der nächste Pfad unscheinbar im Wald ab. Er führt sanft bergab und wird kurz vor der Siedlung am Schütz zur Forststraße. Bei einer feuchten Felswand bleibt Bettina stehen: „Schaut mal, wie leicht sich der Stein lösen lässt.“ Das lassen sich die Jungs nicht zweimal sagen und machen sich ans Werk. Die herausgebrochenen Platten zerfallen in ihren Händen Schicht für Schicht – fast wie eine steinerne Lasagne. Spätestens jetzt ist Jause wieder ein Thema. Also weiter: vorbei an den Hirschen im zerzausten Sommerfell und den Holztreppen am Bodner bis zum Schwefelberg.
RAST AM WEIHER
Während Michi die Jause auspackt, sind die Jungs längst unterwegs Richtung Miniatur- Mühlrad. Wasser, Wiese, Hochstand – der Schwefelberg liefert genug Gründe, die Pause auszudehnen. Wer lieber einkehrt, kann im Gasthaus Schwefelberg bei einer Brettljause den Blick übers Rheintal genießen. Am Ende des oberen Weihers führt der Abstieg rechts hinunter zur Schwefelquelle. Diesem schwefelhaltigen Wasser werden seit Jahrhunderten wohltuende Kräfte nachgesagt – trotzdem ist den Jungs der Apfelsaft lieber. Von der Schwefelquelle aus lässt sich die Strecke mit dem Bus bis zum Schlossplatz unkompliziert abkürzen. Vom Schlossplatz bis zum Parkplatz Ledi sind es 1,2 Kilometer, doch noch ein Stück, wo ein erfrischender Abschluss wartet: Während die Jungs johlend durch die Wassertrete stapfen, lehnen sich Michi und Bettina zufrieden zurück. Genau so fühlt sich eine gelungene Familienrunde an: ein bisschen wild, ein bisschen nass und garantiert nicht langweilig.