RUNDE SACHE
BEERENSOMMER IM RIED
BLAUE IDYLLE
Zwischen Heidelbeersträuchern und der stillen Weite des Lauteracher Rieds beginnt die Beerensaison für Dietmar Sohm Mitte April, also lange bevor der Sommer ins Ländle einzieht. Schon seit vier Generationen bewirtschaftet seine Familie das 1,8 Hektar große Feld im Rheintal. Der nährstoffreiche, saure Boden im Ried bietet ideale Bedingungen, deshalb kann Dietmar sehr naturnah arbeiten: „Wir spritzen nicht und arbeiten zu hundert Prozent gentechnikfrei“, sagt er nicht ohne Stolz. Zu Recht, denn zusätzlich zu Anbau und Ernte kümmert sich der Landwirt im Nebenerwerb auch um Verpackung und Vertrieb.
GUT VERWURZELT
Bei aller Familientradition hat sich auf dem Feld der Sohms viel geändert. In der Vergangenheit hatte Dietmar immer wieder mit Staunässe zu kämpfen, die den Flach wurzeln der Heidelbeeren ziemlich zusetzt. Inzwischen verhindern Erddämme übermäßige Feuchtigkeit. Außerdem versprechen die neuen Pflanzen „Blue Ribbon“ b’sundrig große Früchte und vor allem eine frühe Ernte. So sind bis Mitte August meist alle Beeren gebrockt – noch bevor die Kirschessigfliege zum Problem wird. Heuer verspricht das Wetter übrigens eine gute Saison, und so werden im Sommer zwei bis vier Tonnen Heidelbeeren von Hand gepflückt und verpackt.
VOM FELD INS SCHÄLCHEN
Am Winderhof beginnt die Himbeerernte lange vor der Sommerhitze. Ab Ende Juni zieht das Ernteteam alle paar Tage mit dem ersten Licht auf das Feld in der Nähe vom Messegelände, wo die langen Reihen der Himbeersträucher bereits voller leuchtend roter Früchte hängen. Am besten lassen sich Himbeeren nämlich in der kühlen Morgenluft brocken. Im Vergleich zu Erdbeeren, für die man auf Knien von Pflanze zu Pflanze rutschen muss, eine beinahe komfortable Arbeit – doch auch hier wird jedes Beerle einzeln direkt ins Schälchen gebrockt. Wenn die Hitze des Tages einsetzt, ist die Ernte bereits abgeschlossen. Den zarten Früchten bekommen die warmen Temperaturen nämlich nicht – deshalb liegen die Himbeeren meist schon vor halb elf im Ländlemarkt.
OHNE HELFER *INNEN …
… keine Beeren. Deshalb ist es den Winderbrüdern Martin und Peter wichtig, dass die Erntehelfer*innen gerne bei ihnen arbeiten. Viele gehören schon lange zum eingeschworenen Team. Özlem zum Beispiel kam mit 18 Jahren aus der Türkei nach Vorarlberg und begann zwei Jahre später am Winderhof. Heute ist sie Martins rechte Hand auf dem Feld – und leitet sogar ihr eigenes Projekt: Auf stolzen vierzig Ar baut sie Gemüse wie Tomaten, Paprika oder Auberginen an und nutzt die Infrastruktur des Winderhofs, um ihre Produkte zu vermarkten. Richard Dietrich von Dietrich Vorarlberger Kost barkeiten kauft regelmäßig bei ihr ein: Für seine b’sundrige Tomaten-Salsa bestellt er in der Erntezeit jede Woche 200 Kilo Tomaten. „Eine richtige Powerfrau! Sie schafft den Laden auch alleine, wenn Peter oder ich mal nicht da sind“, meint Martin voller Respekt.
MIT HERZ UND HÄNDEN
Auch Dietmar Sohm stemmt die Erntetage nur gemeinsam mit seinen Helferinnen: „Die Arbeit ist hart – da würden viele gleich wieder aussteigen“, erklärt er uns. „Aber auf diese Frauen ist einfach Verlass.“ Und wenn die Arbeit geschafft ist, sitzen sie oft noch bei Tee und Kuchen zusammen und genießen das Ried genauso wie Dietmar. So viel Lob lässt erahnen, wie viel Arbeit und Herzblut in den blauen und roten Beeren aus dem Rheintal steckt. Und vielleicht schmecken sie daheim gerade deshalb nicht nur nach Frühsommer, sondern auch nach echter Wertschätzung – für die Natur, das Ländle und die Menschen.